Die 3 größten Fehler in der Rechtschreibung

Teilen

Warum gibt es eigentlich Buchstaben, die nicht ausgesprochen werden? Und warum macht es uns die Rechtschreibung manchmal so schwer? Wir zeigen Dir hier die 3 größten Fehler in der Rechtschreibung. (Spoiler-Alarm: Es gibt eine bessere Methode, um so zu schreiben wie man spricht!)

Wenn du ein beliebiges Wörterbuch an einer beliebigen Stelle öffnest, wirst du über diese merkwürdigen Symbole in eckigen Klammern stoßen. Zum Beispiel, wenn sylby als Wort in einem Lexikon zu finden wäre, würde dahinter das hier stehen: [sɪl.bi]. Ich habe diese Symbole jahrelang ignoriert und vielleicht tust du es auch. Aber hast du dich schon einmal gefragt, warum es sie überhaupt gibt? Vorweg: Keine Sorge, um mit sylby deine Aussprache zu üben, brauchst Du sie nicht zu kennen. Aber vielleicht bist du ja neugierig zu erfahren, warum du sie auch in unserer App findest?

Wie schreibt man, wie man spricht?

Mir haben die kleinen Symbole definitiv eine neue Welt eröffnet, und ich beschäftige mich nun schon seit mehr als zehn Jahren mit ihnen. Meine Leidenschaft, die ich in dieser Zeit für sie entwickelt habe, möchte ich heute mit dir teilen. Immer wieder höre ich Leute sagen: Normale Buchstaben reichen doch! Diese Symbole brauche ich nicht. Und es stimmt schon: Sie sind nicht überlebenswichtig, und wenn ich mich zwischen ihnen und einem leckeren Essen entscheiden müsste, würde ich mich immer für das Essen entscheiden. Aber zum Glück kann man ja Beides haben, und mit den Symbolen ist es wie mit neuen Sneakers: man merkt erst, was für ein Komfort einem vorher gefehlt hat, wenn man sie an den Füßen hat. 

Um zu verstehen, was für einen Komfort die IPA-Symbole bedeuten und aus welchen Problemen heraus sie entstanden sind, wollen wir uns erstmal den Buchstaben widmen. Das lateinische Alphabet verschriftlicht nicht nur das moderne Italienisch, sondern viele andere Sprachen wie Englisch, Türkisch, Französisch, Italienisch, Wolof, Deutsch und Vietnamesisch auch. Eine tolle Eigenschaft dieses Alphabets ist es, dass hiermit versucht wird, die Laute, die wir sprechen, abzubilden. Die Idee ist genial. Aber sie ist nicht für alle Fälle komplett durchdacht worden. Natürlich ist sie –  mit großen ästhetischen Einbußen – komfortabler in der Bedienung als Hieroglyphen oder auch das moderne, sehr komplexe chinesische Schriftsystem.  Aber es gibt verschiedene Bugs in der Verwendung des lateinischen Schriftsystems, und die größten Bugs stelle ich dir heute vor.

Bug #1: Relikte aus der Vergangenheit

Durch historische Entwicklung von Schrift und Sprache ist nicht jede Orthographie up-to-date. So bildet das französische Alphabet zum Beispiel relativ gut ab, wie im 16. Jahrhundert Französisch gesprochen wurde, aber viele Buchstaben, die wir in der französischen Orthographie heute verwenden, werden gar nicht mehr ausgesprochen. Zum Beispiel wird die Endung –ent in elles vivent ‘sie leben’ gar nicht ausgesprochen, und nur die ersten drei Buchstaben haben eine lautliche Entsprechung. Das macht natürlich das Leben von Sprachlernenden nicht leichter. Aber man hat sich oft aus sprachpolitischen Gründen entschieden, nicht nochmal von vorne anzufangen und komplett alles über den Haufen zu werfen, was historisch gewachsen ist.

Bug #2: Ein Laut, viele Buchstaben

Viele Orthographien sind inkonsistent und ineffizient. Ein und denselben Laut kann man auf unterschiedliche Weisen schreiben, wie zum Beispiel das scharfe [s] im Deutschen: man kann den Laut im Deutschen mit s, ss oder ß schreiben (z.B. in Maus, Pass oder Maß). Gleichzeitig gibt es noch die stimmhafte Variante, den Laut [z], den man im Deutschen auch mit s schreibt, zum Beispiel im Wort Sonne. Und dann gibt es noch den Buchstaben z, der aber nicht mit dem Laut [z] in Sonne zu verwechseln ist und stattdessen lautlich eine Kombination aus [t] und [s] ist. Puh! Ist das nicht verwirrend? Man muss sich das wie einen Code vorstellen, an dem verschiedene Entwickler*innen gebastelt haben, ohne sich zu Beginn auf eine gemeinsame Richtlinie zu einigen.

In Deutschland gab es erst im 19. Jahrhundert die Bestrebung, eine einheitliche Rechtschreibung durchzusetzen. Das Problem der Inkonsistenz haben jüngere Orthographien wie die des modernen Türkisch oder Vietnamesisch weniger, weil hier in der Entwicklung der Orthographie systematisch vorgegangen wurde und weniger Köche den Brei verdorben haben. Auch die Orthographie des Spanischen und Italienischen ist relativ konsistent im Vergleich zur Englischen, wo vieles buchstäblich drunter und drüber geht. Und wagen wir an dieser Stelle einen kurzen Blick über den Tellerrand der lateinischen Buchstaben: spannende Alternativen sind zum Beispiel das thailändische, das arabische und das hebräische Schriftsystem. Sie sehen alle drei wunderschön aus, und bringen ihre eigenen Vor- und Nachteile mit. Mein Lieblings-Alphabet ist das koreanische Alphabet, das im 15. Jahrhundert entwickelt wurde. Seither ist es ausgesprochen konsistent, praktisch und komfortabel, hat sich aber – vielleicht bedauerlicherweise – nicht so verbreitet wie das lateinische.

Bug #3: Ein vielsprachiges Chaos

Das größte Problem: wenn es schon innerhalb einer Sprache meist so viel Uneinheitlichkeit in ihrer Verschriftlichung gibt, wie soll es dann erst aussehen, wenn man unterschiedliche Orthographien miteinander vergleicht? Ein Buchstabe, der in einer Sprache einen Laut verschriftlicht, verschriftlicht in einer Sprache einen anderen. Zum Beispiel gibt es den Laut [y] sowohl im Französischen als auch im Deutschen. Im Deutschen wird er aber mit dem Buchstaben ü verschriftlicht wie im Wort Mühe, und im Französischen mit u, wie im Namen Luc. Der Laut [u], der im Deutschen auch mit dem Buchstaben u geschrieben wird, wird im französischen mit ou geschrieben, wie im Namen Louise. Jetzt wissen wir auch, warum die eingedeutschte Variante davon Luise ist. Und die Kombination aus den drei Buchstaben sch wie in Schule wird im Deutschen als ein einziger Laut [ʃ] ausgesprochen, während sie im Englischen mit zwei Lauten [sk] ausgesprochen wird wie in school. Was für ein Chaos! Solche Dinge sind schwierig, wenn zum Beispiel Sprachlernende mit einer neuen Orthographie klarkommen müssen, und oft entstehen Aussprachefehler aufgrund der Tatsache, dass sie die Laute gemäß ihrer nativen Orthographie aussprechen.

Ein Alphabet für Laute

Aufgrund dieser und anderer Probleme setzen sich Linguist*innen aus unterschiedlichen Ländern seit dem Jahr 1886 regelmäßig zusammen, und listen alle möglichen Laute auf, die es in allen Sprachen der Welt gibt. Für jeden Laut haben sie sich auf genau ein Symbol geeinigt. Sie sind damit sehr erfolgreich, und das Ergebnis ist das Internationale Phonetische Alphabet (kurz: IPA). Wer das einmal gelernt hat, kann, wenn er ein Lexikon irgendeiner ihm unbekannten Sprache aufschlägt, einfach ablesen, wie Wörter ausgesprochen werden.

Doch auch wenn wir Phonetik- und Aussprache-Nerds damit eine Riesenfreude haben, was bringt es Dir als Sprachlernender oder Benutzerin der App sylby? Wie anfangs erwähnt, kommt man auch ohne neue Sneakers und ohne die IPA-Zeichen durchs Leben. Wenn man sich aber unsicher ist, welcher Laut es eigentlich war, mit dem man Schwierigkeiten hat, hilft es, wenn man sich das IPA-Symbol des Lautes gemerkt hat. Dann kann man sofort die passenden Übungen oder Erklärvideos dazu wiederfinden. Wer aber an den alten Sneakers und der deutschen Orthographie hängt und nicht in Neues investieren möchte, kommt mit einer kleinen Prise weniger Komfort auch wunderbar weiter: In der App sylby haben wir über jedem IPA-Symbol auch eine Entsprechung des Lautes in Buchstaben nach der deutschen Orthographie angezeigt. Da die Entsprechung zwischen Laut und Buchstabe aber nicht immer 1:1 ist, muss man vielleicht dreimal mehr klicken, bis man den Laut dann wiedergefunden hat.

Hier noch eine Kostprobe der IPA und eine geheime Botschaft an alle, die das IPA entziffern können: [mɪt sɪlbi maxt aʊ̯sʃpʁa:xə y:bən ʃpa:s].

Wer mehr über die Schöpfer*innen des IPA wissen möchte, kann sich hier informieren.

Team sylby
Team sylby