"Hallo Welt, sylby hier!" - Eine Vorstellung mit Vera Scholvin

Vera Scholvin

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Die Arbeit an sylby ist in vollem Gange. Was kannst Du uns bereits über die App verraten?

Bei sylby handelt es sich um eine Sprachlernapp, die den Nutzer*innen die Möglichkeit bietet, die Aussprache in der Sprache, die sie lernen zu verbessern. Wir setzen dabei auf modernste KI-Technologie, die in der Lage ist, den Nutzer*innen einerseits detailliertes Feedback in Echtzeit zu geben und andererseits die Möglichkeit bietet, auf die besonderen Anforderungen der einzelnen Lernenden einzugehen. Dabei wird der eigene Fortschritt, der sprachliche Hintergrund aber auch die selbstgesteckten Ziele beachtet und das Selbstbewusstsein gefördert. Daneben steht der logopädische Ansatz, den wir unseren Nutzer*innen bieten, indem wir mit gezieltem Sprachmuskeltraining für den Aufbau oder die Aktivierung der für die Bildung bestimmter Laute nötigen Muskeln sorgen. sylby ist also das Rund-Um-Paket, der persönliche, intelligente Ausspracheassistent in der Hosentasche. Und Spaß macht sylby übrigens auch!

Für unseren Launch konzentrieren wir uns zunächst auf das Deutsche, weitere Sprachen sind dann in Planung, wenn die App im Appstore erhältlich und die Entwicklung abgeschlossen ist. Daneben arbeiten wir gerade an einigen Features, so dass den Nutzer*innen nicht nur Feedback für jeden einzelnen Laut geboten wird, sondern auch die Satzmelodie und der Wortakzent analysiert werden.

Die Arbeiten in puncto Appentwicklung und Inhaltserstellung laufen gerade auf Hochtouren. Das freut mich natürlich, denn die Produktion selbst ist ja nur ein Teil des Prozesses, der mit der Idee, der Planung und Finanzierung begann.

Apropos Anfang. Wie kam es zu der Idee, eine Sprachlernapp zu entwickeln?

Ich habe in Linguistik promoviert und mich dabei intensiv mit Aussprache beschäftigt, darunter auch im Zweitspracherwerb. Kurz gesagt: Was genau bereitet Lernenden einer Sprache Schwierigkeiten, wenn sie versuchen, zum Beispiel ungewohnte oder schwierige Laute zu artikulieren? Ich habe sehr gerne geforscht, fand aber, dass es nun an der Zeit war, mit meinem gewonnenen Wissen etwas Praktisches zu schaffen, mit dem Menschen auch außerhalb der Forschung etwas anfangen können. Also haben Paras und ich uns zusammengesetzt und die Idee von sylby ins Leben gerufen.

Warum genau der Fokus auf Aussprache?

Da ich selbst ein absoluter Sprach-Nerd bin, habe ich natürlich auch einige Sprachen gelernt, wie Italienisch, Französisch oder Vietnamesisch. Mir war die Aussprache dabei immer sehr wichtig – aus unterschiedlichen Gründen: Zum einen, weil die Aussprache sehr eng damit verbunden ist, wie man wahrgenommen wird. Ausspracheschwierigkeiten können zum Beispiel zur Folge haben, dass man weniger ernst genommen wird, was in vielen Situationen im Alltag – sei es im Supermarkt oder beim Vorstellungsgespräch – zu großen und kleinen Problemen führen kann. Zum anderen, weil eine gute Aussprache auch für das Selbstbewusstsein sorgt, das manchmal hilfreich ist, um die erlernte Sprache dann auch anzuwenden. Außerdem habe ich Spaß an lautlichen Details und arbeite gerne an meiner Aussprache. Ich finde den Klang von Sprache ästhetisch. Deswegen versuche ich gerne, schöne Laute und Sprechmelodien nachzuahmen.

Gerade beim Erlernen einer Tonsprache wie Vietnamesisch, die im Vergleich zum Deutschen wirklich sehr anders ist, war die Arbeit an meiner Aussprache enorm wichtig, um verstanden zu werden. Mich hat es damals sehr gewurmt, dass ich die einfachsten Wörter nicht aussprechen konnte. Also habe ich mich hingesetzt und ehrgeizig geübt. Das Ergebnis ist mein zwar nicht perfektes aber immerhin verständliches Vietnamesisch. Dabei hat mir das Wissen, das ich durch mein Linguistikstudium erwerben konnte, natürlich sehr geholfen. Dieses Wissen kann ich nun mithilfe von sylby mit allen teilen, die daran Interesse haben.

An wen richtet sich sylby? Für wen wird sylby gemacht?

Für alle, die Deutsch – und in Zukunft auch andere Sprachen – lernen und nach Möglichkeiten suchen, ihre Aussprache zu verbessern. Dabei muss man nicht unbedingt ein bereits sehr hohes Maß an Können mitbringen. Auch dem interessierten Neueinsteiger kann sylby helfen, Ausspracheschwierigkeiten zu erkennen und zu beheben oder aber die verschiedenen Laute, die in der Sprache vorkommen, kennenzulernen.

Die Aussprachetools anderer Sprachlernapps sind oft einfach nicht ausreichend und geben in der Regel kein großartig detailliertes Feedback. Das frustriert die Lernenden oft und ohne Motivation ist es einfach sehr schwer, so etwas Komplexes wie eine Fremdsprache zu lernen.

"Sich wie ein Muttersprachler anhören", wieso versprechen wir das nicht?

Ein Akzent ist auch immer ein Merkmal, das enorm zum Selbstverständnis von Sprechenden beiträgt. Uns ist es wichtig, dass Menschen ihren Akzent nicht als Makel verstehen, sondern wir möchten deutlich machen, dass ein Akzent auch ein positiv empfundener Teil von Identität sein kann.

Gleichzeitig zeigt die Forschungslage, dass Erwachsene, die eine Sprache lernen, diese in den seltensten Fällen komplett akzentfrei erlernen können. Ein zu hoch gestecktes Ziel kann dann oft hinderlich sein, wenn die Frustration darüber einsetzt, dass dieses hohe Ziel nicht erreicht wird. Viele verlieren die Freude am Sprachenlernen, wenn sie an so einen Punkt kommen. Das wollen wir natürlich verhindern.

Für uns steht also die Kommunikation, die Möglichkeit sich auszudrücken und verstanden zu werden, im Vordergrund. Wir wollen die Möglichkeit bieten, mit wissenschaftlich fundiertem Training die Aussprache Stück für Stück zu verbessern und das auch mess- und dadurch sichtbar zu machen.

Wer aber gern probieren möchte, wie ein Muttersprachler zu klingen, kann das mit sylby natürlich auch machen. Die persönlichen Ziele für die Lernenden sind individuell anpassbar und werden von den Nutzer*innen selbst gesetzt.

Zu guter Letzt: Gibt es schon einen Termin für den Launch?

Die Entwicklung schreitet sehr gut voran, so dass wir die Beta-Version noch diesen Sommer launchen können. Die Vorfreude darf also durchaus schon steigen!

Kristin Stöcker
Kristin Stöcker
Blogger, Linguist & Data Analyst at sylby