Deutschlernen in Deutschland mit Paras Mehta

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Hallo Paras, kannst Du uns ein wenig über Dich und Deine Rolle bei sylby erzählen?

Mein Name ist Paras Mehta. Ich komme ursprünglich aus Neu-Delhi, Indien. Ich lebe jetzt seit 10 Jahren in Deutschland. Und ich hatte das Glück, in verschiedenen Ländern gelebt zu haben, bevor ich nach Deutschland kam. Meine Leidenschaft sind Computer, ich liebe das Programmieren und alles, was mit Informatik zu tun hat. Außerdem liebe ich es, andere Kulturen und Sprachen kennenzulernen und zu entdecken. Meine Rolle bei sylby verbindet diese beiden Leidenschaften. Ich bin Mitgründer und Co-CEO und kümmere mich um die technische Entwicklung unserer Plattform.

Wie war es für Dich Deutsch zu lernen? Wo hast Du angefangen und warum?

Ich habe Deutsch gelernt, gleich nachdem ich nach Deutschland gezogen bin. Ich zog nach Berlin, um an der Freien Universität Berlin im Fach Informatik zu promovieren. Damals konnte ich noch kein Deutsch, aber ich wollte die Sprache unbedingt lernen. Die Universität bot Kurse für internationale Studierende an, also habe ich dort angefangen. Und das war eine gute Entscheidung; die Lehrer waren sehr nett und der Unterricht war wirklich toll. Rückblickend bin ich echt froh, dass ich gleich zu Beginn Deutsch gelernt habe, weil es mir seitdem sehr geholfen hat.

In meinem ersten Jahr in Deutschland habe ich sehr viel Zeit damit verbracht, Deutsch zu lernen. Seitdem bin ich immer wieder mal dazu zurückgekommen. Vor ein paar Jahren habe ich aus Interesse einen Deutschtest gemacht, der C1 ergab. Ich würde also sagen, dass ich gut mit dem Deutschen zurecht komme. Natürlich bin ich kein Muttersprachler, ich mache Fehler in der Grammatik und in der Aussprache, und ich habe einen Akzent. Aber ich fühle mich sicher, die Sprache in alltäglichen Situationen zu benutzen. Das habe ich hauptsächlich durch Übung erreicht, indem ich einfach mit Leuten gesprochen habe. Ich denke, dass es um besser und sicherer im Umgang mit Deutsch zu werden, sehr wichtig ist, es so oft es geht in realen Situationen anzuwenden.

Auf welche Schwierigkeiten bist Du beim Deutschlernen gestoßen?

Natürlich hatte ich viele, viele Schwierigkeiten. Deutsch ist sicherlich nicht die einfachste Sprache, die man so lernen kann. Je nach sprachlichem Hintergrund ist es meiner Meinung nach schwierig bis sehr schwierig, Deutsch zu lernen. Die allererste Herausforderung besteht darin, die Grundlagen richtig zu verstehen. Die Regeln der deutschen Grammatik, wie z. B. die einfache Tatsache, dass es verschiedene Geschlechter bei Substantiven gibt (der, die und das). Das ist etwas, das ich bis heute oft falsch mache :-D.

Der nächste Schritt besteht darin, die Sprache tatsächlich zu sprechen und anzuwenden. Man hat viel Zeit damit verbracht, die Grundlagen in der Theorie zu lernen, aber das Klassenzimmer zu verlassen und anfangen zu sprechen, ist für viele eine große Hürde. So war es auch für mich. Man muss üben, und obwohl meine Deutschkurse großartig waren, waren die Möglichkeiten für praktische Übung doch eher begrenzt. Also musste ich mit anderen üben.

Hast Du es mal mit Sprachtandems probiert?

Das habe ich. Und sie können tatsächlich hilfreich sein, aber sie sind nicht für jeden etwas. Für viele Menschen funktionieren Sprachtandems leider nicht. Sie haben ihre Vor- und Nachteile. Mir zumindest hat es nicht viel gebracht.

Sobald ich den Mut gefunden hatte, auf andere zuzugehen und mit ihnen zu sprechen, bestand die nächste große Herausforderung für mich darin, dafür zu sorgen, dass die Leute verstehen, was ich sage. Die Herausforderung mag vielleicht nicht für jeden Deutschlernenden gleich groß sein, aber für mich war es sehr schwierig. Ich erinnere mich gut daran, wie meine Gesprächspartner mich am Anfang oft, wenn ich etwas gesagt habe, nicht richtig verstehen konnten – natürlich habe ich nicht alles richtig ausgesprochen. Ihre Reaktion war dann immer, automatisch ins Englische zu wechseln. Sie merkten, dass ich Probleme mit der Aussprache hatte, und versuchten, es mir leichter zu machen, glaube ich. Für mich war das sehr entmutigend und ich habe versucht, Leute davon abzuhalten. Man gerät dadurch irgendwie in eine Art Negativschleife, weißt du? Man verliert die Motivation. Glücklicherweise bin ich über diese Phase hinweg.

Ich verstehe. Wie ging es weiter bei Dir?

Wenn man diese Phase überwunden hat und ein Niveau erreicht hat, das die Leute einen verstehen können, dann besteht die Herausforderung darin, wirklich korrekt zu sprechen. Das ist der Punkt, an dem ich jetzt bin. Nachdem ich so viele Jahre hier gelebt und viel Mühe ins Deutschlernen gesteckt habe, möchte ich meine Aussprache wirklich verbessern. Ich werde wahrscheinlich nie wie ein Muttersprachler klingen, aber ich habe immer noch Probleme mit bestimmten Lauten, zum Beispiel mit Umlauten. Die habe ich wirklich viel geübt, und es ist auch schon besser geworden. Aber es gibt ein paar Wörter, deren Aussprache mir einfach große Probleme bereiten. Und ich habe gemerkt, wie ich sie beim Sprechen vermeide, indem ich sie durch andere Wörter ersetze. Eine Art Vermeidungsstrategie, die möchte ich gern überwinden.

Du hast gesagt, dass Deine Gesprächspartner oft ins Englische wechseln, wenn Du mit ihnen auf Deutsch sprichst. Gibt es andere Reaktionen, die Du wegen deines Akzents bekommst?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich beherrsche die deutsche Sprache so gut, dass die Leute mich verstehen können, aber ich klinge nicht wie ein Muttersprachler. Es gibt oft Situationen, in denen ich nur wegen meines Akzents anders behandelt werde. Man könnte meinen, dass es daran liegt, dass ich anders aussehe als ein "typischer Deutscher", aber dasselbe ist mir auch schon am Telefon passiert, wo die Leute einen nicht sehen können. Die Reaktionen können sehr unterschiedlicher Natur sein; ich habe auch viele positive Erfahrungen gemacht, mit Leuten, die geduldig mit mir waren, die sich bemüht haben, langsamer gesprochen haben und mir Dinge etwas mehr erklärten.

Andererseits habe ich auch weniger angenehme Erfahrungen gemacht. Meistens mit Leuten, die dieses Verständnis und diese Geduld nicht hatten. Man fühlt sich dann diskriminiert und benachteiligt, nur weil man etwas nicht so sagen kann wie ein Muttersprachler. Natürlich fängt man dann an, an sich selbst zu zweifeln und stellt sich eine Menge Fragen: Habe ich etwas Falsches gesagt? Oder hat die andere Person etwas Falsches gesagt? Oder hat er mich falsch verstanden? Oder was ist das Problem? Was hat dieses Problem verursacht? Und das führt zu noch mehr Frustration und Stress. Und am Ende fragst du dann anderen Leute, für dich zu telefonieren oder dich zu Terminen zu begleiten. Und das alles nur, weil du nur aufgrund deiner Aussprache weniger ernst genommen wirst als andere.

Kannst Du uns mehr über diese schwierigen Situationen erzählen? Wie hast Du dich dabei gefühlt?

Es gibt tatsächlich viele schwierige Situationen, bei der Arbeit oder im Alltag. Aber am schlimmsten waren für mich immer die Termine bei Behörden, zum Beispiel bei der Ausländerbehörde, um mein Visum verlängern zu lassen. Das ganze Verfahren ist stressig, und noch stressiger wird es, wenn es Sprachbarrieren gibt, und die Sachbearbeiter haben oft keine Geduld mit einem. Man fühlt sich dann benachteiligt, und das ist ein schreckliches Gefühl. Oft verhält sich die Person ja nicht absichtlich so, aber es macht einen trotzdem traurig. Und dieses Gefühl verstärkt sich, wenn du Freunde oder Kollegen bitten musst, dich zu begleiten, obwohl dein Deutsch eigentlich gut genug ist, um alles zu verstehen.

Natürlich – wenn man in ein neues Land zieht, ist erst einmal alles neu für einen. Du kennst das System nicht und die Sprache, die in solchen offiziellen Situationen verwendet wird, ist sehr speziell. Es werden Begriffe und Terminologien verwendet, die für diesen Bereich spezifisch sind – und das ist nicht gerade Alltagswortschatz. Ich habe einige Kurse zu Business-Deutsch belegt, was mir ein wenig geholfen hat. Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Es ist nicht der ganze Grund, warum man anders behandelt wird, zumindest meiner Erfahrung nach.

Ich persönlich habe es auch als Herausforderung gesehen, an mir zu arbeiten, und habe viel Mühe investiert, um mein Deutsch zu verbessern.

In meinem Blog und Podcast berichte ich über meine Erfahrungen, die ich mit meinem Umzug nach Deutschland gemacht habe und wie ich mich hier zurechtfinde. Er heißt India2Germany und enthält Informationen über Integration, das Leben und die Kultur in Deutschland aus meiner Sicht. Ich arbeite seit ein paar Jahren an diesem Projekt und hoffe, dass ich Menschen damit helfen kann, die in der gleichen Situation sind wie ich, als ich vor etwa 10 Jahren hierher gezogen bin. Damals war die Situation nicht unbedingt schlecht, und sie ist seitdem auch schon viel besser geworden. Aber Raum für Verbesserungen gibt es immer noch.

Was muss sich Deiner Meinung nach ändern, um diese Situationen für Dich angenehmer zu machen?

Meiner Meinung nach müssen mehrere Dinge zusammenkommen, um diese Dinge zu verbessern. Auf der einen Seite geschieht bereits eine Menge. Dienstleistungen werden online oder offline auf immer zugänglichere Weise angeboten, aber es muss noch einiges geschehen. Und das ist wirklich wichtig, denke ich. Die Behörden müssen einfach zugänglicher werden.

Was auch helfen könnte, wäre es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es Menschen gibt, die einen Akzent haben oder anders sprechen. Menschen sollten trotz der Art und Weise, wie sie klingen, wenn sie eine Fremdsprache verwenden, gleich behandelt werden.

Aber hauptsächlich konzentrieren sich Sprachkurse und viele Sprachlern-Apps einfach nicht genug auf die Aussprache. Ich habe viele verschiedene Dinge ausprobiert, wie Bücher, Sprachschulen und Apps, aber da geht es eigentlich immer vorrangig um Grammatik und Lesen. Gelegenheiten zum Sprechen sind rar und nicht leicht zu finden. Ich denke, dass sich hier das Verständnis vom Sprachenlernen ändern muss. Letztlich nützen alle Grammatik und alle Vokabeln nichts, wenn die Menschen einen am Ende des Tages nicht verstehen können. Denn es ist tatsächlich möglich - die Aussprache kann auf sehr systematische Weise trainiert und verbessert werden.

War das Teil Deiner Motivation, sylby ins Leben zu rufen?

Auf jeden Fall! Ich möchte Menschen wie mich in die Lage versetzen, frei und einfach in einer Fremdsprache wie Deutsch zu kommunizieren. Ich möchte ihnen helfen, sich beim Sprechen weniger unsicher, dafür aber selbstbewusster zu fühlen, indem ich ihnen die Möglichkeit biete, an ihrer Aussprache zu arbeiten.

Ich habe das Gefühl, dass dies etwas ist, was im Bereich des Sprachenlernens im Allgemeinen fehlt. Ich kann es nicht genug betonen: Es wird nicht genug Wert auf die Aussprache gelegt, obwohl sie so, so, so wichtig ist, was meine persönliche Erfahrung ziemlich gut zeigt.

Wie kann sylby also bei der Aussprache helfen?

sylby ist eine App, die für Menschen wie mich entwickelt wurde, die nach Deutschland ziehen oder dies planen, die Deutsch lernen und Probleme mit der Verständlichkeit ihrer Sprache haben. Für Menschen, die ihre Aussprache verbessern wollen und leicht verstanden werden wollen. Für Menschen, die Gespräche führen wollen, ohne dass ihr Gegenüber ins Englische wechselt. sylby ist ein Hilfsmittel, das auf Erfahrungen aus erster Hand und Problemen aus erster Hand beruht.

Wir haben den Input von Sprachlehrern geholt und die neueste linguistische Forschung herangezogen, um eine systematische und umfassende Methode zu entwickeln, mit der Menschen an ihrer Aussprache arbeiten können. Dazu nutzen wir modernste Spracherkennung, um detailliertes Echtzeit-Feedback zur Aussprache zu geben. Wir können sagen, welche Laute man verbessern kann, und geben anhand von Lernvideos und Übungen leicht verständliche Erklärungen, wie man das schaffen kann. Die Fortschritte werden gemessen und visualisiert, was dabei hilft, am Ball zu bleiben. Bereits nach wenigen Wochen wird man eine deutliche Verbesserung spüren.

Ich persönlich habe bei diesem Prozess auch viel dazugelernt. Ich war mir nicht bewusst, welche einfachen Tricks und Kniffe man anwenden kann, um seine Aussprache zu verbessern. Ich dachte, ich hätte eine gewisse Grenze erreicht und könnte mich nicht weiter verbessern, aber ich habe mich geirrt. Es stellte sich heraus, dass es wirklich einfach ist, schwierige Laute zu meistern, wenn man nur ein paar einfache Tricks kennt. Ich hoffe wirklich, dass auch andere Menschen davon profitieren können. Ich habe so ein Tool noch nie gesehen und wünschte mir, dass es so etwas vor ein paar Jahren gegeben hätte, als ich mit damit zu kämpfen hatte.

Kristin Stöcker
Kristin Stöcker
Blogger, Linguist & Data Analyst at sylby