Was ist eigentlich ein Akzent und wie werde ich ihn wieder los?

What is an accent

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Arnold Schwarzeneggers Rolle in Hercules in New York blieb Cineasten als das “wohl schlechteste Englisch der Filmgeschichte” in Erinnerung. Wer schon einmal die Originalversion des Streifens vor die Augen - besser gesagt: die Ohren - bekam, weiß genau warum. Der spätere Gouverneur von Kalifornien kann nicht umhin, seine Rolle als Herkules mit dem breitesten österreichischen Akzent zu bestücken. So witzig es klingt, hat es Arnie wohl einiges an Übung gekostet, um seine englische Aussprache auf sein heutiges Level zu bringen.

Akzent. Was ist das eigentlich?

Ein Akzent ist die Art und Weise, wie man eine bestimmte Sprache spricht, beziehungsweise Worte in einer bestimmten Sprache ausspricht. Erste ermutigende Nachricht für Sprachlernende: Jeder hat in den Ohren eines Anderen wahrscheinlich einen Akzent. Jeder Mensch hat beim Sprechen seine Besonderheiten und nicht immer ist der eigene Akzent gleich. Es kann zum Beispiel sein, dass man auf der Arbeit ganz anders redet als unter Freunden oder wenn man bei seiner Familie zu Besuch ist.

Im deutschsprachigen Raum gibt es sehr verschiedene Akzente: In Hamburg klingt man anders als in Dresden oder in Stuttgart. Jemand aus Österreich klingt auch ganz anders als jemand aus Deutschland, obwohl es die gleiche Sprache ist. Standardsprache ist am Ende auch nur etwas, auf das man sich irgendwann einmal geeinigt hat, und was man jetzt in den Nachrichten hört.

Die andere Art von Akzent ist derjenige, der auftritt, wenn eine Person eine Fremdsprache lernt. Es kann schwer sein, Laute zu erzeugen, die es in der eigenen Sprache nicht gibt. Oft versucht man dann, die Laute, die man nicht kennt, durch bekannte Laute zu ersetzen. Und schon hat man einen mal leichteren, mal stärkeren Akzent, je nachdem, wie unterschiedlich die Laute voneinander sind.

Wieso habe ich solche Schwierigkeiten bei manchen Lauten?

Um zu verstehen, warum es Erwachsene oft schwer haben mit der Aussprache der fremdsprachlichen Wörter und Sätze, müssen wir uns anschauen, wie der Mensch die Sprache als Baby erlernt. Bei der Geburt hat nämlich jedes Individuum in der Regel dieselben Voraussetzungen und Fähigkeiten, die es einem ermöglichen, sprechen zu lernen. Allerdings beginnt das neue Lebewesen schon vor der Geburt mit dem Finetuning des eigenen Gehörs auf die Laute der Sprache der Eltern. Es gibt Experimente, aus denen man schließen kann, dass ein frisch geborenes Baby bereits zwischen den Lauten der Sprache oder den Sprachen der Eltern und denen anderer Sprachen unterscheiden. Mit einem Jahr Lebenszeit hat sich der junge Mensch bereits komplett an die Laute der ihn umgebenden Sprache(n) gewöhnt.

Aber was heißt “gewöhnt” und wieso ist das so? Es bedeutet, einfach gesagt, dass beim Hören alle unterschiedlichen Möglichkeiten einen bestimmten Laut auszusprechen unbewusst „zusammengefasst“ werden. Diese werden dann als ein bestimmter Laut, der zu einem bestimmten Wort gehört, wahrgenommen. Die Aneinanderreihung von Lauten wird dann als ein Wort interpretiert, das eine bestimmte Bedeutung hat. Der Mensch lernt also, das Wort “Sprache” zu verstehen, auch wenn je nach Sprecher kleinste aber feinste Abweichungen auftreten können. So kann einer den R-Laut rollen, während eine andere das nicht tut, und trotzdem werden beide verstanden.

Die Generalisierung hilft also dabei, die eigene Sprache zu verstehen. Gleichzeitig macht sie jedoch unsensibel gegenüber Lauten, die man nicht aus der eigenen Sprache kennt, deren Unterscheidung mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird. Ein Beispiel dafür sind die L-und R-Laute für Sprecher*innen des Japanischen. Diese asiatische Sprache realisiert den R-Laut anders als im Deutschen oder Englischen, sodass es sich je nach lautlicher Umgebung eher wie der uns bekannte L-Laut anhört. Die beiden Laute machen im Japanischen jedoch keinen Unterschied in der Bedeutung aus, wodurch auch erwachsene Sprecher*innen in Fremdsprachen dazu neigen, die Laute zu verwechseln.

Neben der Hörerseite gibt es die Sprecherseite: Lauterzeugung funktioniert mit Muskelgedächtnis. So ist der gesamte Sprechapparat darauf getrimmt, die Laute in der gewohnten Version auszusprechen. Alle an der Lauterzeugung beteiligten Muskeln werden also unbewusst so trainiert, dass die bekannten Laute ohne viel Bewusstsein ausgesprochen werden. Je älter der Mensch, desto mehr festigt sich dieser Ablauf von feinsten Bewegungen des Mundraumes und der Zunge.

Deshalb haben Personen, die erst später in ihrem Leben beginnen, eine neue Sprache zu lernen, mehr Schwierigkeiten dabei, Laute auszusprechen, die von der Art und Weise unterscheiden, wie sie in der eigenen Sprache artikuliert werden.

Kann ich meinen Akzent als Erwachsener noch loswerden?

Einfach gesagt: ja und nein. Generell zeigen Studien, dass es für erwachsene Sprachlernende sehr schwierig werden kann, ihren Akzent komplett wegzutrainieren. Die Frage ist aber auch, ob das überhaupt nötig ist. So schaffen die Allerwenigsten es, dieses Ziel zu erreichen. Was aber prinzipiell jeder mit ein wenig Geduld und Unterstützung schaffen kann, ist es, mit gezieltem Training und Aktivierung der Sprechmuskeln eine bessere oder leichter verständliche Aussprache zu erlangen. Logopäd*innen bieten schon seit Jahren Trainings zur Akzentreduzierung an. Schauspieler und Sängerinnen beispielsweise trainieren oft mit speziell ausgebildeten Sprecherzieher*innen ihren Akzent. 

Man denke nur mal an all die US-amerikanischen Hollywoodstars, die sich für ausgewählte Filme einen britischen Akzent zulegen oder an koreanische oder estnische Sänger*innen, die italienische Opern singen, als wären sie mit Italienisch aufgewachsen. Obwohl manche von ihnen vielleicht gar nicht viel Italienisch können, und einfach nur mit den Lauten des Italienischen vertraut sind. Mit sylby holst du dir deinen persönliches Sprechtraining nach Hause und definierst Deine Ziele selbst. In unserem Kursangebot findest du zu jeder Übung ausführliche Videotutorials, die dir dabei helfen, deine Aussprache zu trainieren und dir das nötige Know How dafür geben. Sobald die App gelauncht ist, kannst du es gleich ausprobieren mit unserer kostenlosen Testversion.

Kristin Stöcker
Kristin Stöcker
Blogger, Linguist & Data Analyst at sylby